Warum weißt du alles besser als andere?

Es ist geil, recht zu haben. Den Deutschen scheint das im Blut zu liegen. Gibt es noch andere Länder auf der Welt, in der Bürger so häufig vor Gericht ziehen, um ihre Rechte durchzusetzen? Ich habe das mal gelesen, dass Deutschland da führend wäre. Aber das ist sicher eines dieser fiesen Vorurteile.

Bestimmt haben ein paar Leute die Erklärung parat, dass es in Wahrheit nicht an den Deutschen liegt, sondern an den Umständen. Beispielsweise daran, dass abgelehnte Asylsuchende gegen ihre Ablehnungsbescheide klagen oder dass Naturfreunde Windenergieparks als Verschandelung ihrer Umgebung wahrnehmen und dagegen in hoher Anzahl vor Gericht ziehen.

In der Corona-Pandemie kommen viele Dinge zusammen. Es werden nach dem unabsehbaren Ende der Pandemie Massen von Klagen erwartet. Ich glaube, dass das so sein wird.

Die »Welt« fordert heute vertrauensbildende Maßnahmen von Wissenschaft und Politik. Hierzu sollen alle Zahlen auf den Tisch gelegt werden, damit die hierdurch erzielte maximale Transparenz zu mehr Vertrauen führen könne. Ist das nicht putzig?

Man muss also nur alle Zahlen auf den Tisch legen und schon wächst das Vertrauen der Menschen in die Handlungsfähigkeit und Arbeitsqualität von Wissenschaft und Politik. Das da noch niemand drauf gekommen ist.

Kürzlich las ich bei der so genannten »Achse des Guten« einen Beitrag, in dem schlimme Impffolgen prognostiziert wurden. Dieser Beitrag stammt von einem promovierten Naturwissenschaftler.

Er schrieb u.a.:

Die Zeit arbeitet im Moment gegen die Impf-Propagandisten. Möglicherweise entfaltet sich einer der größten Medizinskandale überhaupt. […] Konsequenterweise werden die gemeldeten 1.919 Todesfälle bis auf 78 heruntergerechnet, ganz dem Narrativ entsprechend, dass die sogenannten Corona-Impfungen absolut sicher seien. Und natürlich ganz im Sinne der immer wieder geforderten Impfpflicht, mit der zahlreiche deutsche Politiker so umgehen, als handelte es sich um Hustensaft. […]

Wann entgleist der Impfzug? – DIE ACHSE DES GUTEN. ACHGUT.COM (archive.org)

Ihr solltet den kompletten Beitrag lesen. Ich bin platt, dass ein Mann, der solche Sachen schreibt, unbehelligt vor Studenten tritt. Er unterstellt Politikern und Wissenschaftlern nicht weniger als die vorsätzliche Tötung von Menschen:

»Hier wird der Versuch unternommen, abzuschätzen, wie viele Menschen bisher durch die Corona-Injektionen getötet wurden und wie viele weitere Menschen durch eine staatlich angeordnete Impfpflicht vorsätzlich getötet würden.«

Nun haben wir in der Pandemie auf beinahe erschreckende Weise gelernt, dass auch intelligente und gebildete Menschen Positionen einnehmen, die aus meiner vielleicht etwas boshaften Sicht darauf hindeuten, dass sie selbst von irgendeinem schlimmen Virus befallen sind, das das Hirn angreift. Hoffentlich gibts auch dagegen bald einen Impfstoff. Allerdings… die Quote wird mies werden. Ich kann ihn nicht benennen, aber hat eine zerstörerische, oftmals selbstzerstörerische Kraft entfaltet. Ich muss diese Heiligen der Corona-Leugner hier nicht benennen. Die meisten Namen sind jedem geläufig, der mit dem Thema zu tun hatte.

Überall bringen unsere Medien die Ansichten von Menschen aus dem Wissenschaftsbereich. Jeden Tag wird ein neuer Experte gefunden und präsentiert. Wir lassen es über uns ergehen, dass jeder dieser Experten seine eigene Sicht vermittelt und man – je nach dem – mindestens leicht verwundert, zurückbleibt. Was gestern noch stimmte, ist heute schon falsch. Und überhaupt – diese ganzen Fehler, die andere in dieser Pandemie gemacht haben…

Es ist in diesem Zusammenhang zum Piepen, dass gerade Medienvertreter es sich erlauben, Wissenschaftler und Politiker für deren schlechte Kommunikation zu kritisieren. Wie wäre es, wenn diese Menschen sich mal an die eigene Nase fassen würden. Die Medien wären doch prädestiniert, den Kommunikationsbedarf auf professionellste Weise und mit entsprechender Reichweite zu decken. Aber Meckern und Kritisieren ist ja so viel billiger!

Es ist schade, dass die zuständigen Stellen trotz der langen Zeit, in der wir vom Virus gequält werden, nicht nachdrücklich dafür gesorgt haben, dass den Zahlenmanipulateuren nicht mit qualitativ guten und nachvollziehbaren Daten begegnet wurde. Man findet auf der Seite des RKI oder des Paul-Ehrlich-Institutes nicht die Aussagen, die einem schnell weiterhelfen könnten. Klare Aussagen zu Impftoten und Impfnebenwirkungen sind nicht leicht zu finden.

Es gibt in Deutschland eine Kabarettistin namens Lisa Fitz, die dem Papier (Entschließungsantrag) aus dem Dunstkreis einer französischen rechtsextremen Abgeordneten im europäischen Parlament (Partei von Marine Le Pen) mehr Glauben schenkt als Aussagen des dafür in Deutschland zuständigen Paul-Ehrlich-Instituts (PEI).

Bei den Daten, die einer offiziellen europäischen Datenbank entnommen wurden, handelt es sich nicht um evaluierte Werte, also tatsächliche Todesfälle infolge einer Corona-Impfung und um tatsächliche Impfnebenwirkungen, sondern um Verdachtsfälle, die dort zusammengetragen und sukzessive abgearbeitet werden. Jeder kann übrigens solche Verdachtsfälle dort melden.

Allein die Tatsache, dass die von jedem abrufbaren Daten ohne Einordnung herausgepickt und interpretiert werden können, halte ich für unprofessionell und bedenklich. Man darf sich über die Folgen nicht wundern!

Meine Meinung zum Prozedere bedeutet nämlich eben nicht, dass Menschen kein Recht darauf haben, über die tatsächlich festgestellten und geprüften Daten umfassend informiert zu werden.

Ich würde sagen, die PEI-Sicherheitsberichte könnten ein wenig einfacher gehalten sein. Nun bin ich allerdings nicht der Adressat, sondern Leute, die etwas von dieser Materie verstehen. Dass aus dieser schwierigen Art der Darbietung Fragen erwachsen, ist nicht weiter verwunderlich. Dass sie allerdings böswillig falsch interpretiert werden, hängt damit wohl auch zusammen.

Hinzu kommen die Vorwürfe gegen das RKI die Meldesysteme bis heute nicht auf den Stand der Technik gebracht zu haben. Dass das RKI den meldenden Gesundheitsämtern buchstäblich »nichts zu sagen« hat, ist wieder so ein Ding, das dem viel gescholtenen föderalen Staat geschuldet ist.

Dass die auch nichtprofessionellen Beobachtern bekannte Sormas – Software, die die Arbeit und das Meldewesen erleichtern sollen, immer noch nicht in allen bundesrepublikanischen Gesundheitsämtern läuft, ist ein bemerkenswerter Umstand. Die weißen Flecken sind zwar weniger geworden, aber fertig sind die immer noch nicht. Und wo diese weißen Flecke überwiegend liegen (geografisch) ist in diesem Zusammenhang auch wieder mal interessant.

Die Aussagen von manchem Leiter eines Gesundheitsamtes mutet mir sehr befremdlich an. Sie lautet, dass man personell nicht in der Lage sei, im laufenden Betrieb eine Umstellung durchzuführen. Ich frage mich, was in der Privatwirtschaft IT-Berater wohl dazu sagen würden, wenn eine solche Ansage von Bereichs- oder Abteilungsleitern käme, die die Vorgabe haben, innerhalb eines Kalenderjahres SAP übergreifend einzuführen. Nun ja, Angestellte und ihre Gewerkschaften im öffentlichen Dienst blockieren nun mal nicht nur in unseren Rathäusern so manches, was längst weiter sein sollte.

Wenn also gerade »Welt« mit »Bild« im zweifelhaften Schlepptau von Wissenschaft und Politik mehr Transparenz als vertrauensbildende Maßnahme fordern, ist das eine Frechheit. Ich würde sagen, es ist ein Witz in Tüten. Kein Verlag hat es fertig gekriegt, die Arbeitsleistung unseres Landes in dieser Pandemie so in die Grütze zu schreiben wie es Springer fertig gebracht hat. Wenn eine Chefredakteurin unter solchen Voraussetzungen solche dummen Ansagen und Forderungen erhebt, müsste man denen unverzüglich das Abo kündigen. Stattdessen rotzen die üblichen rechten Kommentarspalten-Beherrscher der »Welt« ihre abgrundtiefen Hasstiraden gegen die Verantwortlichen in dieser Pandemie ab. Also sowas hier:

Die Deutschlandallergiker in Serie:

Bildschirmfoto 2022 01 03 um 19.35.54
Gut gekotzt…

Beitragsfoto von (sofern nicht von mir oder nicht Public Domain):

9 Gedanken zu „Warum weißt du alles besser als andere?“

  1. Es ging immer um die kontrollierte Durchseuchung. Omikron liefert nun die Chance dazu. Diese könnte man nutzen und den Leuten mal gleichzeitig reinen Wein einschenken.

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    • Wenn es so ist, dass die Verläufe nur mild wären, könnte man die Durchseuchung evtl. im Blick haben. Aber die Daten sind dafür ja immer noch zu unsicher. Bei den Infizierten ist es derzeit übrigens weiterhin so, dass das RKI nicht sagen kann, wie hoch die Anzahl derer ist, die geimpft waren. Ich nehme an, der deutsche Datenschutz bleibt das Problem. Vielleicht ist es aber auch die Behörde selbst, die sich nicht auf neue Notwendigkeiten einlässt. Solls ja in deutschen Behörden häufig geben.

      Was meinst du damit, dass den Leuten reiner Wein eingeschenkt werden soll? Du meinst, dass eine Durchseuchung nun als nächstes auf dieser konfusen Agenda steht?

      Antworten
      • Anders ist das nicht zu erklären. Du schiebst die Boosterkampagne, obwohl die Professoren der Wissenschaft gerade rausgehauen haben, dass frühestens ab März etwas gegen Omikron verfügbar sein kann und lässt gleichzeitig alle Medien und politischen Organe Omikron als das neue Ebola betiteln, obwohl alle Daten dagegen sprechen.

        Kurzum: Du schürst Panik!

        Apropos Daten: Da Du nicht über eigene Daten verfügst (und auch gar keinen Bock darauf hast, da jemals drüber zu verfügen) greifst Du natürlich auf Außereuropäische zurück (Briten) und modellierst anhand von denen (das Du ist hier der Staat).
        Natürlich ist da die kontrollierte Durchseuchung jetzt die Strategie. War sie auch vorher schon, nur nicht so klar erkennbar.

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        • Montgomery würde ich jetzt nicht als politisches Organ bezeichnen. 🙂 Man kann das als Panikmache abtun. Inzwischen hoffe ich, dass sich die Seuche durch die Mutante nicht so schlimm auf das Gesundheitssystem auswirken wird. Wenn das so wäre, könnten wir vor dem Ende der Pandemie stehen. Sicher ist es für diese Hoffnung noch etwas zu früh. Aber so langsam sind wir es ja alle leid. Und dann bekommen die ganzen Idioten, die so tun, als würde die Demokratie abgeschafft, eins auf die Zwölf, weil rasch wieder normale Zeiten beginnen werden. Hoffe ich jetzt mal.

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          • Die Demokratie ist den Deutschen eh egal. Von daher ist das schnurz. Am liebsten hätten die den Kaiser wieder. Deswegen schauen sie auch so neidisch auf die Engländer.
            Da regiert noch der deutsche Adel. Des deutschen Firmen sind demnach auch kleine Königreiche, wo Demokratie nix verloren hat, genau wie im eigenen Haus & im Verein.
            Die Veranstaltung von 1 bis 2 G Parties kommt da gerade recht.

          • Mir nicht. Die, die den Kaiser wiederhaben wollten, sind eine krasse Minderheit. Man nennt sie bekanntlich Reichsbürger und keiner im Land nimmt die für voll. Du etwa? Rechnet man die alle zusammen mit denen, die aus anderen Gründen, wahrscheinlich die Demokratie abschaffen wollen, kommen wir auf ungefähr 20 % der Bevölkerung. Das ist viel. Aber ein paar Bekloppte gibt es eben immer. Mich beunruhigt das deshalb nicht, weil diese Zahl über die Jahrzehnte ziemlich statisch ist. Die Wichser, die heute lautstark gegen den Staat agieren, werden sich wieder beruhigen, glaube ich.

  2. Sei doch froh, dass man hier vor Gericht klagen kann – das nennt sich Rechtsstaat und darauf will ich nicht verzichten.

    Ja, Deutschland ist digital im Rückstand, das zeigt sich besonders seit 2 Jahren in der Pandemie. Dennoch lebe ich hier sehr gerne, lieber als in einem anderen Staat.

    Wenn du doch hier so unglücklich bist, du kannst doch auswandern, Afghanistan, Türkei, Syrien – vielleicht wäre das für dich besser.

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  3. @Bärbel. Dass diese Gerichtsstreitereien vielleicht etwas übertrieben sind (rein zahlentechnisch) siehst du also nicht so? Dann weiß ich ja, in welche Kategorie der Streithansel ich dich einzuordnen habe. Du bist sicher ganz vorne dabei.

    Ich bleibe übrigens auch in Deutschland. Was die Aufzählung der drei Alternativländer anlangt, würde ich meinen, du hast einen Fehler gemacht. In der Türkei gibts zwar leider ethnische Auseinandersetzungen, die manche auch als Krieg betrachten. Aber mit Afghanstan und Syrien ist das nicht zu vergleichen. Man merkt gleich, woher bei dir der Wind weht. Du bist vermutlich auch so eine Muslimfresserin, wie wir ja so viele hier im Land haben.

    Danke übrigens für einen qualifizierten Kommentar.

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