Glamourfaktor ist nicht bloß ein weißes Hochzeitskleid, sondern überraschender Weise immer noch die Kirche

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Horst Schulte

Die Hochzeit von Christian Lindner und Franca Lehfeldt hat uns viel zu kurz von den echten Krisen abgelenkt. Trotzdem sollten wir dem Glamourpaar dankbar sein für die willkommene Abwechslung.

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Katholische Kirche – Altar (c) Horst Schulte

Dieser Fall bestand aus verschiedenen Komponenten, die jede für sich nicht das Zeug dazu hatte, die erregte Öffentlichkeit länger als 3 Tage zu beschäftigen.

Jedenfalls folgten die ansonsten für ihre Schnelligkeit bekannten asozialen öffentlichen Urteile einem durch analoge Recherche langsam angefütterten Kenntnisstand.

  1. Hochzeit in Kampen auf Sylt in der Sansibar
  2. Auf Kosten der Allgemeinheit wird der Schutz der hochrangigen Politgäste sichergestellt
  3. Die Hochzeit des Glamourpaars findet in einer Kirche statt und das, obwohl beide längst ausgetreten sind.

Bei Twitter schrieb Kachelmann: »Lieber nicht in der Kirche sein, als falsch in der Kirche sein.« Hach, das war witzig. Lindners Kredo von 2017 hallt nach. Dabei hat er diesem längst abgeschworen.

Seine Partei wäre nicht Mitglied der Ampel und liefe nach aktuellen Umfragen nicht Gefahr, bei den nächsten Wahlen auf Bundesebene erneut rauszufliegen. Aber man siehts an manchem Bundesliga-Club. Man kann immer wieder aufsteigen – selbst aus der 3. Liga.

Manche plapperten den Journalisten nach, dass die Hochzeit auf Sylt instinktlos sei. So von wegen Inflation, Mieten und Gaspreisen. Da möchten manche einem hart arbeitenden Bundesfinanzminister also echt vorschreiben, dass diese Zeit nichts zum Heiraten wäre, weil Teile der Bevölkerung Panik schieben und manche vor sich hin darben?

Die Mitglieder der Bundesregierung müssen beschützt werden. Das ist jeden Tag der Fall. Ob sie sich nun zu Hause befinden, auf Reisen oder auf der Hochzeit eines Ministerkollegen. Das kostet Geld. Man nennt so was in der Wirtschaft, glaube ich, Opportunitätskosten. Es sind Kosten, die immer da sind, die also nicht entfallen, nur weil Lindner unverheiratet geblieben wäre. Biste bereit, noch mal darüber nachzudenken? I wo, bei Twitter korrigiert nie einer seine Meinung.

Das ist dazu da, dass geschimpft wird und man sich empört und dann ist auch gleich wieder Ruhe… In manchen Medien befinden die Journalisten, dass die Lindner Hochzeit eine Klischeekanone sei. Richtig. Nämlich eine solche, die ebendiesen Medien einen wunderbaren Vorwand lieferten, auf Politikerkreise zu schimpfen und ordentlich Dreck auszukübeln.

Mich als Mitglied der katholischen Kirche, das gar nicht weiß, weshalb es nicht wie die meisten meiner Familie, Freunden und Bekannten diese längst verlassen hat, stört es aus Gründen schon, dass eine Kirche ihr Haus für diesen Schabernack zur Verfügung gestellt hat. Mich erinnerte das an eine liebe Kollegin, die mich vor 40 Jahren dafür kritisierte, immer noch Mitglied in diesem Verein zu sein. Sie lernte bald danach einen Mann kennen, trat wieder in die Kirche ein, um in Weiß heiraten zu können. Das erinnerte mich an das Theater, das Lindner und Gattin auf Sylt abgezogen haben.

Der Artikel ist verdächtig lang geworden. Eigentlich hätte ich die Hochzeit in einem Satz abhandeln wollen.

Die Lindners sollen das so machen, wie sie denken. Die Verantwortung für das Theater rund um diese Hochzeit liegt bei den Medien und denen, die sich bei Twitter aus einem der drei genannten Punkte in die Frontlinie zwischen Volk und Politik geworfen haben.

Meine besten Glückwünsche gehen an das Brautpaar.

Ich heiße Horst Schulte und bin 68 Jahre alt. Ich lebe seit meiner Geburt in der schönen Stadt Bedburg, nicht weit von Köln entfernt. Bloggen und digitales Fotografieren sind meine Hobbys. Die Themenschwerpunkte hier im Blog bilden Gesellschaft, Politik und Medien.

Mein Motto: ... bloß nicht zynisch werden



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Katholische Kirche - Altar (c) Horst Schulte

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