Die Globalisierung frisst ihre Kinder

Was haben sich die Unternehmen des so genannte Westens dabei gedacht, elementare Teile ihrer Produktpaletten über Jahrzehnte in solchen Dimensionen an China zu delegieren und diesem Regime damit die Chance zu eröffnen, seine mit unseren Werten so gar nicht harmonierenden Methoden zu entwickeln und zu »verfeinern«?

Nun, die Staatsführungen sprachen von Globalisierung und haben davon geredet, dass viele gewinnen und nur wenige vielleicht verlieren würden. »Wandel durch Handel« war jedenfalls nicht das, was Egon Bahr in den 1970-er Jahren unter dem ähnlichen Motto »Wandel durch Annäherung« etablierte. Aber lassen wir den parteipolitisch motivierten Kleinkrieg zwischen Medien, Union und der SPD.

Tatsache ist, dass sich unser Land seit den 1970 – er Jahren weiß Gott in so vieler Hinsicht nicht zum Besseren verändert hat. Deutschland hat nicht nur aufgrund der Hartz – Reformen Schröders einen im europäischen Vergleich riesigen Niedriglohnsektor. Dieser ist auch der Globalisierung zu verdanken.

Ich weiß noch gut, wie der fast von allen Deutschen verehrte Ex-Kanzler Helmut Schmidt die Chinesen für ihren Ehrgeiz und ihre aufkommende Stärke bewunderte und dafür sogar bereit war, über gewisse »kulturelle Unterschiede« (Menschenrechtsverletzungen) hinwegzusehen.

Machtbewusstes China

Man kann sagen, dass der »Westen« China den Aufschwung, den dieses Land in den letzten Jahrzehnten nahm, überhaupt erst ermöglicht hat. Aus der jetzigen Sicht sind die Überzeugungen, die dorthin geführt haben, einem gewissen Realitätssinn gewichen. Trump erklärte China zum Feind. Dabei hätte er die Kapitalisten in seinem Land zur Verantwortung ziehen müssen. Sie waren es, die inländische Produktionen und damit Arbeitsplätze nach China verlagert haben. Die Regierung ihrerseits hätte alles versuchen müssen, um die Leistungsbilanz mit China halbwegs ins Lot zu bringen.

So aber sind das Ergebnis dieser Maßnahmen und die gesellschaftlichen Auswirkungen einige der Gründe, die die USA an den Rand des Bürgerkrieges geführt haben.

Wenn China heute der erklärte Feind No. 1 der Vereinigten Staaten ist, liegt das daran, dass die Amerikaner den industriellen Ausverkauf ihres Landes weniger ihrer politischen Führung oder ihren Unternehmen anlasten, sondern einer immer selbstbewusster auftretenden Führung Pekings. Nachgewiesene Menschenrechtsverletzungen (Uiguren) bilden im amerikanischen Binnendialog nur Beiwerk im Kampf gegen den aktuellen Erzfeind. Einen Feind, den die Kapitalisten der USA und Europas stark gemacht haben.

Deglobalisierung?

Der Westen hat anhand der Verwerfungen, die die Folgen der Coronapandemie sichtbar machten, den Kampf um Deglobalisierung, Dekarbonisierung und Demografie aufgenommen. Die Folgen unterbrochener Lieferketten und Personalknappheiten an Stellen, die längst nicht auf das Gesundheitswesen oder die Gastronomie begrenzt sind, lassen sich nicht durch politischen Aktionismus beheben.

Und es wird Zeit brauchen. Und sehr viel mehr Geld. Wir werden uns auf dauerhafte »Wohlstandsverluste«, wie mehr Armut von Politikern verklärend genannt wird, einstellen müssen. Nicht nur in Deutschland. Unser Leben wird dauerhaft teurer werden, auch weil unsere Wirtschaft nicht mehr die gewohnte Dominanz auf vielen Feldern behalten wird. Wir sind schlecht auf die Zukunft vorbereitet, weil wir (unsere Politiker vor allem) nicht bereit dazu waren, die nötigen Schritte zu gehen. Sie wussten, wie unbequem es würde und mit welcher Form des Widerstandes zu rechnen ist. AfD, Reichsbürger und Querdenker geifern längst. Sie rüsten auf für neue schändliche Taten gegen unsere Demokratie. Ich fürchte, ich sehe schon jetzt erste Erfolge ihrer Hetze.

Dass wir es in Europa nun noch mit einem Krieg zu tun haben und darüber hinaus mit einer realistischen Bedrohung des Weltfriedens, ist in diese Zustandsbeschreibung nicht einmal eingepreist.

Die neue geopolitische Formation

Die Chinesen und Russen versichern sich ihren gegenseitigen Beistand. Das mag zum Teil der aktuellen zugespitzten Lage geschuldet sein. Die Frage ist, welche militärische Macht dieser neue Block gegenüber dem Westen tatsächlich entfalten könnte. Der Vergleich der Atomwaffenarsenale bringt da, glaube ich, keine Antwort.

Die Geopolitik ordnet sich neu. Der Westen steht mit seinen Interessen isoliert da. Das sehen wir an Beispielen wie Indien, Südafrika, Indonesien u.s.w. Ungarns Orban opponiert gegen die Sanktionen gegen die Russen, sogar deutsche Ministerpräsidenten stellen sie infrage.

Taiwan gibts auch noch

Sollten die Chinesen unter ihrem Staatschef Xi unsere Befürchtungen wahr werden lassen und Taiwan angreifen, wird sich zeigen, wie weit der russische Beistand reicht. Man darf sich die Lage jedenfalls nicht schönreden. Vielleicht waren dem 3. Weltkrieg nie näher.

Diktaturen gegen Demokratien – Wer hat welche Interessen?

Ich frage mich, welchen Sinn das für China hätte, wenn man an die gewaltigen Investitionen der Chinesen in Europa und überall auf der Welt denkt (Stichwort: neue Seidenstraße). Sie wären wertlos und etwaige Gebietsgewinne wären hierfür niemals ein Äquivalent.

Ich mag mir nicht ausmalen, was es bedeuten könnte, wenn Trump oder ein anderer vergleichbarer »Bauart« der nächste US-Präsident würde. Während die Wahrscheinlichkeit, dass Biden wiedergewählt werden könnte, von Monat zu Monat mehr schwindet, wächst die Sorge, dass ein republikanischer US-Präsident in Trumps Fußstapfen tritt und die NATO ohne sein wichtigstes Mitgliedsland dastehen könnte. Reicht unsere Fantasie aus, um das Unaussprechliche zu denken? Welche Zukunft hätte Europa, wenn die USA aus der NATO austreten würde?

Eigene Wehrfähigkeit

Reicht ein 100 Milliarden-Paket aus, um unsere Bundeswehr gegen eine Armee zu beschützen, die vermutlich auch auf konventionellem Sektor weit überlegen ist? Wie schnell wirkt so ein Paket überhaupt? Wenn wir die Abwicklung bei den schweren Waffen für die Ukraine betrachten, werden die Sorgenfalten nur größer. Die Bundesregierung müsste angesichts einer möglichen und nicht unwahrscheinlichen Lage doch schon heute alles dafür tun, dass die Wirkung des beschlossenen Paketes nicht erst in 10 Jahren spürbar wird.

Über überragende Erfahrungen mit Kriegsgerät verfügt Deutschland wohl nicht. Der Leopard II hatte mal einen ausgezeichneten Ruf. Das ist sogar bei mir angekommen, bei jemandem, der nie gedient hat. Heute las ich im »Spiegel«, dass die in der Ukraine eingesetzten deutschen Panzerhaubitzen 2000 bereits nach wenigen Einsätzen Mängel aufweisen sollen. Es werden Ersatzteile bzw. Reparaturen nötig. Dass dieses Waffensystem, das doch so viele Vorschusslorbeeren erhielt, solche angeblichen Schwächen zeigt, lässt nichts Gutes erahnen.

Beitragsfoto von (sofern nicht von mir oder nicht Public Domain):

An Paffendorfer Kirche (c) Horst Schulte

8 Gedanken zu „Die Globalisierung frisst ihre Kinder“

  1. Kürzlich hab ich diesen Tweet weiter geleitet:
    „Wenn die Amis es dann tatsächlich schaffen nach einer Invasion Chinas in #Taiwan unsere Politiker zu Sanktionen zu verpflichten (#Baerbock ist sicher dafür), dann ist Deutschland mit einem Chinahandel (Import/Export) von ca. 250 Mrd. € endgültig am Boden.“

    Ich halte die Globalisierung für unverzichtbar, vom Blickwinkel des Wohlstands der Welt ausgehend. Dass man dabei nicht nur mit „lupenreinen Demokraten“ handelt, war und ist gelebter Realismus. Kaum jemand möchte (oder könnte!) z.B. wegen der Uiguren (Beispiel für vieles) das Mehrfache für unsere Konsumpalette bezahlen, sofern diese in Europa überhaupt hergestellt werden könnte (Rohstoffe, Energie, seltene Erden, etc.).

    Merkel hat jedoch die Globalisierung richtig als „System kommunizierender Röhren“ verglichen. Noch in den 70gern basierte der Wohlstand des Westens größtenteils auf weltweiter Marktdominanz (vulgo: Ausbeutung) und gern zementierten postkolonialen Zuständen. Das ist seitdem deutlich abgebröckelt. Andere Player haben sich ökonomisch entwickelt und bestehen auf ihrem Teil vom Kuchen!

    China war so weise, sich nicht bis in alle Ewigkeit als billige Werkbank missbrauchen zu lassen, sondern schaffte es
    -> zunächst durch Kopieren (Scheiß auf „globale“ Copyrights)
    -> sodann durch Zwangskooperationen inkl. Technologietransfer
    seine Wirtschaft zu entwickeln. Und verhält sich seitdem wie ein guter Go-Spieler: überall Positionen besetzen = investieren und sich beteiligen, wo es leicht geht, weil es „der Westen“ nicht macht.
    Ich hoffe sehr, dass sie letztlich dabei bleiben und nicht versuchen, militärisch gegen USA et al anzutreten.

    Halte nichts davon, im Nachhinein die vielen Jahrzehnte Globalisierungspolitik in die Tonne zu treten! Immerhin brachte das viel Wohlstand, bei uns, aber auch bei den Lieferländern. Abschottung wäre gerade für Deutschland mit seiner Exportlastikeit keine Alternative gewesen.

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  2. Es ist immer eine Frage der Menge. Die macht das Gift. Einerseits scheint einiges für die Globalisierung zu sprechen. So wurde der Hunger auf der Welt erfolgreich bekämpft.

    Ob die Pandemie daran schuld ist, dass sich die Zustände ins Gegenteil verkehrt haben, vermag ich nicht zu beurteilen. Wissenschaftler sagen es jedenfalls.

    Wir haben die Herstellung sehr vieler Produkte outgesourct. Dass wir Medikamentenengpässe beklagen, ist ein Beispiel dafür, dass wir (die Kapitalisten) es übertrieben haben.

    Die Ausbeutung einiger Rohstoffe erfolgt doch auch unter Bedingungen der Globalisierung unter kritikwürdigen Umständen. Hat sich da wirklich so viel geändert? Immer noch diktieren Großkonzerne, was abgeht. Trumps Amtszeit machte deutlich, wie stark der Druck ist und wie bereit seine Administration war, dem nachzugeben. Bei ihm wurde es, auch Dank seiner Dummheit und Prahlerei, öffentlich, bei anderen wird es unter der Decke gehalten.

    Wie die Zusammenarbeit mit China gestaltet wurde (besser gesagt, wie sie von den Chinesen gestaltet wurde) wird häufig damit gerechtfertigt, dass in China, übrigens durchaus auch in Indien, eine Mittelschicht entstanden ist. Es geht viel mehr Menschen besser. Das finde ich auch positiv. Nur haben beide Länder eine zumindest autokratische Führung. Das sollte nicht unsere Sorge sein. Aber wer weiß, zu welchen Schandtaten diese Regime fähig sind? Mich ärgert es, dass China mit Hilfe des Westens überhaupt erst in die Lage versetzt worden ist, für unsere Wirtschaft und für den Frieden (Pakistan, Atomwaffen, Uiguren, Minderheiten) eine Gefahr darzustellen.

    Die Abkehr von der Realpolitik (Schröder, Merkel, Russland, Nord Stream 2) hin zu einer übertriebenen moralischen Aufladung geht in erster Linie von den Grünen aus. Die SPD macht dabei kräftig mit, weil sie sich für das Desaster mitverantwortlich fühlt. Dein Retweet signalisiert, dass du die Positionen von Außenministerin Baerbock (für mich überraschend) nicht teilst, sondern möglicherweise auch selbst die Sanktionspolitik der Regierung kritisch siehst. Das höre ich bei Twitter ganz schön oft. Allerdings weniger aus dem linken Lager, wenn mich mein Eindruck nicht täuscht.

    Die Globalisierungspolitik kam eigentlich in Deutschland doch schon ins Gerede, bevor TTIP nicht von Trump zu Fall gebracht worden war. Solche Abkommen gehören aber doch grundlegend zur Globalisierung. Die Bereitschaft zur Zusammenarbeit innerhalb der EU wankt auch in anderer Hinsicht.

    Mir macht die Entwicklung in den USA die größten Sorgen. Dort hat die Globalisierung im Grunde doch nur dazu geführt, dass die Amerikaner heute vor einem Bürgerkrieg stehen. Die Art der Polarisierung konnte nur entstehen, weil der Ausverkauf von Arbeitsplätzen – vor allem in Richtung China – so bedenkenlos von den politischen Eliten unterstützt wurde. Es war ein unverzeihlicher Fehler, der dort zur unversöhnlichen Konfrontation geführt hat.

    Richtig deutlich wurden die Fehler der Globalisierung erst mit dem Auftauchen des Coronavirus. Dass die Lieferkettenunterbrechungen heute noch in gravierendem Umfang weiterbestehen und diese teilweise dem Krieg in der Ukraine zugeschrieben werden, ist für mich ein trauriger und ebenso ein ärgerlicher Befund. Die Verantwortlichkeit für manchen Missstand wird einfach dem Krieg zugeschoben. Dabei ist die Globalisierung zumindest mitverantwortlich.

    Letzten Endes unterscheiden sich die Methoden von Kolonialismus und Globalisierung nicht so grundlegend. In China produzierte Artikel sind billiger (und häufig schlechter). Die Leute werden schlecht bezahlt, womöglich spielt Ausbeutung und eine andere Art von Versklavung (Uiguren) eine Rolle bei bestimmten Produkten. Was tun wir in solchen Fällen? Wir verhängen Sanktionen gegen Produkte aus der PROVINZ XINJIANG. Wer das glaubt!

    Der Mittelstand in Deutschland mag von der Globalisierung durchaus profitiert haben. Die hohe Erwerbsquote steht aber einem großen Niedriglohnsektor gegenüber, der wohl nicht nur durch die Hartz -Gesetze zu erklären sein dürfte. Die Armutsquote steigt (auch wenn die Methodik zur Ermittlung von Fachleuten immer wieder kritisiert wird).

    Wie wir die demografische Entwicklung in unserem Land bewältigen können, ist auch völlig ungeklärt. Durch die Anwerbung von Fachkräften aus anderen Ländern wird das Problem vermutlich nicht zu lösen sein. Jedenfalls nicht unter den gegenwärtigen, immer noch viel zu bürokratischen Bedingungen. Der Austausch von Arbeitskräften würde im Sinne der Globalisierung zudem kritisch zu hinterfragen sein. Was machen die Länder, denen wir ihre qualifizierten Leute wegkaufen? Es gibt schon Beispiele, was das in Ländern wie Portugal oder Spanien angerichtet hat.

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  3. Danke für deine ausführliche Einlassung! Finde es schön, wie du „das große Ganze“ in den Blick nimmst, auch wenn dadurch so viele Themen angesprochen werden, die schon für sich genommen längere Kommentare erfordern würden.

    In den meisten Punkten stimme ich dir zu: Eine Reihe lebensnotwendiger Güter sollten wir wieder – soweit möglich – in der EU produzieren. Leider scheint die Regierung im Detail dafür wenig tun zu können. Man denke nur an die Maskenhersteller, die jetzt vor dem Aus stehen, weil die Kliniken noch immer nach dem Motto „wir müssen das Billigere kaufen“ Masken aus China bestellen, anstatt den Unternehmen, die hier Produktionen aufgebaut haben, das Überleben zu sichern.

    Den Tweet habe ich trotz, nicht wegen des Seitenhiebs auf Baerbock weiter geleitet. Die Sanktionspolitik der Regierung sehe ich (noch) nicht kritisch, denn m.E. hätten wir, selbst wenn wir wollten, keine Möglichkeit, aus der Phalanx des „Westens“ einfach auszusteigen. Mich wundert wirklich sehr, wie einfach sich viele das machen: Was, Gaspreis steigt? Weg mit den Sanktionen! = eine absurde Ignoranz in Bezug auf die Zusammenhänge! (Noch absurder, dass die Grünen schuld sein sollen!).
    Vorgestern beim Pressetermin Baerbock / türkischer Außenminister war ich erst etwas erschrocken und dachte: Muss soviel Klartext wirklich sein? Aber dann fand ich es auch wieder ok (und mutig!), denn Cavusoglu machte zwar seinerseits Vorhaltungen, es schien aber nicht so, als sei er über die bloße Tatsache verärgert, dass sie sich traut, sondern eben inhaltlich. Und grade die Türken nehmen sich ja auch nicht grade zurück, was Anwürfe angeht!

    Globalisierung / Macht der Konzerne: Richtig, da passiert immer noch viel Kritikwürdiges – immerhin VERSUCHT man, dagegen anzugehen, wie etwa mit dem „Lieferkettengesetz“ (ich weiß gar nicht, was daraus wurde). Das ganze Bemühen hat auch seine Grenzen in der Kontrollierbarkeit und der Souveränität der beteiligten Staaten, die ja ganz wesentlich bestimmen, wie es ihren Arbeitenden geht.

    Lieferkettenproblem: M.E. kann nicht „die Globalisierung“ daran schuld sein, denn es hat ja Jahrzehnte lang gut geklappt. Erst kürzlich noch waren in China ganze Mega-Städte unter Quarantäne wg. deren ziemlich absurder Corona-Politik. Zwar haben sie Hafenarbeiter weiter machen lassen, aber z.B. kamen die Zulieferlaster zeitweise gar nicht erst hin – auch wegen der Corona-Maßnahmen. Denke also, dass das schon hauptsächlich damit zusammen hängt.

    Dass die Armutsquote steigt, hängt m.E. damit zusammen, dass nicht mehr so viel Gewinn (aufgrund Marktdominanz, wie früher) da ist, so dass auch genügend „unten“ ankommt. Die mächtigeren Besser- und Sehr-gut-Verdiener (die oberen 10%) bemühen sich, selbst keine Abstriche machen zu müssen, sondern sparen lieber bei den Anderen. Corona hat immerhin dazu geführt, dass ein Bewusstsein dafür entstanden ist, was wirklich „systemrelevant“ ist und was nicht. Der Mindestlohn steigt und zusätzlich führt die Konkurrenz um die zu wenigen Arbeitskräfte jetzt vielfach dazu, dass da auch noch was drauf gelegt werden muss.

    Deine Sorge um die USA teile ich! Das ist eine Weltmacht im Niedergang, sehr gefährlich! Dass da jetzt mit China gezündelt wird, Pelosi unbedingt Taiwan besuchen muss – schlimm. Das war der Hauptgrund, dass ich besagten Tweet weiter geleitet habe: die Gefahr, in diese Auseinandersetzung einbezogen zu werden.

    Die Globalisierung ist m.E. nicht der alleinige Grund (siehe u.a. den verlinkten Artikel), denn z.B. texanische Rinderzüchter provitieren doch eher davon und sind dennoch extrem republikanisch. Es geht auch um die weiße Vorherrschaft, die verloren zu gehen droht, um Religion und den kulturellen Unterschied zwischen Stadt und Land.

    Insgesamt gibt es viele Gründe, sich Sorgen zu machen. Andrerseits sage ich mir auch, dass mein persönliches Befinden im Modus der Sorge wirklich gar nichts zur Lösung der Probleme beiträgt. Also „carpe diem“ und natürlich Gas sparen!

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  4. Hervorragendes (schlechtes) Beispiel, das mit den Masken. Wie wer dieses „Umdenken“ fällt, zeigt das. Die Geldsäcke sind eben an Geld interessiert, nicht an der Lösung übergeordneter Probleme.

    Mit dem Tweet hast du mich überrascht. Ich finde interessant, wie stark bereits heute der Widerstand gegen die Sanktionen wirkt. Es scheint, als würden diese Leute Putin alles durchgehen lassen wollen. Noch haben wir keine Idee davon, was eigentlich bedeutet, das mit den Wohlstandsverlust. Aber sobald sich etwas Nachteiliges ankündigt, kommen diese elenden Hornochsen sofort aus der Deckung. Wenn ich sehe, wie einig sich in dieser Frage Rechte und Linke sind, wird mir anders. Das ist sehr beunruhigend und vielleicht auch komplett übertrieben. Ich würde dazu raten, die Regierung machen zu lassen. Die Kritik macht sich auch daran fest, dass nicht wenige offenbar den Verdacht haben, dass die Ampel-Regierung (vor allem die Grünen) die Lage für ihre Themen auszunutzen versuchen. Den Dummen gehen die „Argumente“ nie aus.

    Wie oft haben die Türken deutsche Politiker schon beleidigt? Der Präsident und sein Außenminister. Eine bodenlose Frechheit, die übrigens bei vielen der hiesigen Türken immer auf großen Beifall stieß. Die Behauptung, dass die Regierung Osman Kavala unterstützen würde, hätte ich gern aufgeklärt. Kann es sein, dass Deutschland (die Regierung) türkische Regierungsgegner unterstützt, wie die Türken das ja auch im Hinblick auf die verbotene PKK gern sagen?

    Die Globalisierung sorgte für eine neue Arbeitsteilung, diese wiederum wurde massiv gestört durch das Virus. Diese Kausalität meinte ich. Die vielen Schiffe, die immer noch vor deutschen Küsten liegen, weil die Kapazitäten bei den Lotsen zu knapp sind, sind ein Beleg dafür, dass die Normalisierung noch länger auf sich warten lassen wird.

    90 % der republikanischen Wähler sind angeblich Weiße. Das habe ich gerade irgendwo gelesen. Da weiß man doch, woher der Wind weht. Es ist also Rassismus, der die Triebfeder eines so großen Teils der Amerikaner ist. Ein furchtbare Erkenntnis. Wie wenig sich ändert. Wir Menschen sind nicht einmal im Angesicht der schlimmsten absehbaren Katastrophe dazu in der Lage, uns gemeinsam zu positionieren und wirksame Maßnahmen nicht nur zu beschließen, sondern vor allem auch in die Praxis zu überführen. Wer weiß, vielleicht gibt es in unserer Milchstraße keinen weiteren Planeten mit vergleichbaren Lebensverhältnissen. Wir sind jedenfalls sehenden Auges dabei, trotz besseren Wissens, unsere Lebensgrundlagen zu zerstören. Die Erde wird es weiter geben. Sie braucht uns nicht.

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    • Die Erde wird es weiter geben.
      Schwacher Trost,
      wir sind schon so weit in unseren ERkenntnissen, schade wäre es, wenn wir in 5000 Jahren wieder mit dem Murmelzählen anfangen müssten.

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  5. Manchmal denke ich, ob die Zivilisation (ich spreche nicht von den Inkas oder den Ägyptern) auf der Erde nicht schon einmal weit fortgeschritten war und dann, auch dank des Menschen und seiner Eigenheiten, wieder vernichtet wurde. Vielleicht waren von Dänikens Hinweise auf Besucher oder Astronauten ein Trugschluss und sie waren Rest einer untergegangenen irdischen Zivilisation. Heute habe ich in der Süddeutschen (Wie wahrscheinlich ist der Kollaps? https://www.sueddeutsche.de/wissen/klimawandel-folgen-kipppunkte-2100-1.5631958?reduced=true (hinter Paywall) gelesen, wie es wahrscheinlicher wird, dass die Menschheit ihre Lebensgrundlage aber eben auch allen zivilisatorischen Fortschritt vernichten könnte. Nicht sehr erquicklich, diese Aussagen. Auch, wenn die betreffenden Wissenschaftler diese als Meinungsbeitrag verstanden sehen möchten.

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  6. Diese Dystopie kann man sich nicht ausmalen. Die Reichen werden sich Enklaven schaffen, auf denen sie gut leben werden können. Und sonst?!

    Ich denke, dies ist eine einmalige Situation, die es vorher noch nicht gab.

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