Der Nachruf und seine Botschaft

Vermutlich steigt die Zahl der Leute, die die Frequenz der Berichterstattung über den Tod der Queen übertrieben finden. Alle Medien scheinen Nachrufe veröffentlicht zu haben.

Sogar die ARD Regionalprogramme kommen nicht ohne die tägliche Dosis Queen Elizabeth II. aus. Der Mythos des guten Monarchen wird gepflegt. Kritische Würdigungen im Nachruf sind scheinbar unterrepräsentiert. Oder sind sie gar nicht erwünscht?

Gegenrede – Kritik

Diese Form der medialen Überbetonung ruft Widerstand und Gegenrede auf den Plan. Gegen all die netten, freundlichen Nachrufe zum Tod der Queen muss ein Kontrapunkt gesetzt werden. Wahrscheinlich wäre die Berichterstattung sonst unvollständig.

Jedes Menschenleben hat Licht und Schatten. Warum sollten Nachrufe nicht beides enthalten? Allerdings wünschte ich, dass in Nachrufen die Schattenseiten eines langen Menschenlebens fair und unparteiisch beschrieben werden.

Populäre Monarchin

Die Tatsache, dass die Queen auch in Deutschland und in anderen, vor allem europäischen Ländern, äußerst populär war (Irland mal ausgenommen), mag für manche Journalisten die explizite Aufforderung beinhalten, auch die negativen Seiten eines langen Lebens herauszustellen.

Queen Elisabeth II. ist die Repräsentantin eines Landes, für das die Kolonialzeit zu Beginn der 1980-er Jahre endete. Eine Kritik an der über 70 Jahre währenden Dienstzeit der britischen Monarchin bezieht sich auf eine Person ohne Machtbefugnis.

Gegner der Monarchie

Ist es fair oder gar geboten, der verstorbenen Königin in einem Nachruf Ereignisse anzulasten, die allein von der politischen Führung Großbritanniens zu verantworten sind?

Dass zu diesem Zweck auch Zitate anderer Personen bemüht werden, gibt dem Text vielleicht mehr Bedeutung, macht diesen Nachruf jedoch nicht besser.

Interessant ist, dass der bedeutende britische Autor seinen Text in der New York Times veröffentlichte. Ob die Zahl der Gegner der Monarchie in Großbritannien wohl groß genug ist, um einen solchen Text dort zu veröffentlichen? Andererseits bin ich ziemlich sicher, dass es auch dort kritische Nachrufe gibt.

Hari Kunzru blickt in seinem Essay auf Vergangenheit und Zukunft Großbritanniens. Das von Übermedien-Autorin  Samira El Ouassil herausgenommene Zitat in seiner ganzen Gehässigkeit hat in meinen Augen sehr wenig mit Kunzrus Intention zu tun.

Kein Sinn für Differenzierung?

Danke fürs Augen öffnen, schreibt ein Kommentator unter Frau El Quassils Beitrag. Nun, ein bisschen Geschichte kommt immer gut. Aber in einem Nachruf muss sie nicht so eingesetzt werden. Kannten wir die Schattenseiten des längst erloschenen Empire nicht halbwegs und wurden die Verstrickungen der Monarchie nicht längst hinreichend beleuchtet?

Identitätsdebatte

In diesen Zeiten, in denen Identitätsdebatten große Beachtung finden, nutzt mancher Journalist die Aufnahmefreude der woken Community allzu gern, um das Feuer nicht erlöschen zu lassen.

Das lange Jahrhundert von Königin Elisabeth II. | Quelle: https://billemmott.substack.com/p/the-long-century-of-queen-elizabeth

Beitragsfoto von (sofern nicht von mir oder nicht Public Domain):

Not known, Diefenbaker Centre credits British Government, Public domain, via Wikimedia Commons

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2 Gedanken zu „Der Nachruf und seine Botschaft“

  1. Ich muss tatsächlich sagen, dass für mich der (entsprechend angepasste) Spruch gilt:

    Die Königin ist tot! Lang lebe der König!

    Viel mehr interessiert mich die ganze Angelegenheit eigentlich nicht. Persönlich habe ich es immer so gehalten, dass die Briten ihr Königreich und ihre königliche Familie haben sollen, wenn sie sie denn haben wollen. Das hatte immer meinen ausdrücklichen Respekt und die Königin und ihre Familie ebenso. Das gilt jetzt natürlich auch für König Charles III – den ich übrigens immer mochte und besonders respektierte.

    Den öden aufgeblasenen medialen Rummel, der gerade am Laufen ist, ignoriere ich allerdings so weitgehend wie nur möglich. Dein Beitrag war so ziemlich das Längste, was ich zum Thema bisher gelesen habe.

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  2. Ich hätte auch nichts zum Thema beigetragen, wenn mich der Artikel nicht so geärgert hätte. Eben habe ich beim Spiegel etwas Ähnliches gelesen. Auch sehr nett, wenn man bedenkt, welchen Anlass diese Journalisten sich ausgesucht haben, um die koloniale Vergangenheit zu beleuchten. Interessant waren die vielen Kommentaren zu diesem Text. Dort erhielten die Jammerlappen nicht so viel Zustimmung zur allgemeinen Wegklage über den Kolonialismus und seine Folgen. Im Gegenteil. Das war mir teilweise dann auch wieder zu krass. Keiner kann es mir im Moment recht machen. Liegt wohl an der allgemeinen Verfassung durch die vielen Probleme, die auf uns niederprasseln, besser gesagt erst noch niederprasseln werden.

    Übrigens setze ich auf Charles, der wohl gerade beim Umweltschutz etwas in Bewegung setzen könnte. Das ist sein Ding und da hat er die Möglichkeit, sich einzubringen. Schätze, dass er das tun wird.

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