Heute schlagen die Schüler die Lehrer, nicht andersherum

Unsere Gesellschaft kommt richtig gut voran.
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Horst Schulte

Während meiner Schulzeit, die 1960 begann, war es zu Anfang noch üblich, dass die eine oder andere Flegelhaftigkeit, mit einer Backpfeife und manchmal auch Handgreiflichkeiten der härten Art bestraft wurde.

Lehrer
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Manche Lehrer benutzten sogar Stöcke, wenn irgendwas nicht in ihrem Sinne ablief.

Beleidigungen, Mobbing und körperliche Angriffe sind laut einer Umfrage der Lehrergewerkschaft VBE an vielen Schulen an der Tagesordnung. Auch Gewalt gegen Lehrkräfte nehme zu.

Quelle: Tagesschau.de

Erinnerung an die eigene Schulzeit

Ich käme nicht auf die Idee, mit denen in ein Horn zu stoßen, die in der »richtigen Umgebung« heute noch sagen: Geschadet hat es ja nicht. Ich mute mir ein solches Urteil nicht zu.

Gerade, wenn ich an die Prügel denke, die Jungens vor allem aus der sozialen Unterschicht mitunter einstecken mussten. An Allerheiligen haben meine Frau und ich ein paar Friedhöfe im Stadtgebiet besucht.

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Ich entdeckte dort das Grab eines schon während meiner ersten Schuljahre sehr alten Lehrers, der Ende meiner Schulzeit, also Ende der 1960-er Jahre verstorben ist. Wenn ich es richtig erinnere, war er damals noch im Dienst, obwohl sein Alter über dem normalen Pensionsalter lag. Wahrscheinlich gabs schon damals zwischendurch mal Lehrermangel.

Prügelstrafe für harmlose Verfehlungen

Er gehörte zu den Lehrern, bei denen sich diejenigen, sich sozusagen warm anziehen musste, die etwas ausgefressen hatten. Ein Freund, erinnere ich mich noch gut, hatte sich Micky-Maus-Hefte in die Hosen gesteckt, damit die erwartete Attacke nicht zu viele Striemen verursachte und es nicht so weh tat. Er hats gemerkt. Die Vorsichtsmaßnahme machte nichts besser!

Ich selbst bin nur einmal von einem Lehrer geschlagen worden. Mit der flachen Hand ins Gesicht – aber volle Pulle. Der Abdruck seines Eheringes war gut auf meiner Backe zu erkennen. Das war im 1. Schuljahr, gleich zu Anfang. Ich war überhaupt nicht begeistert von Schule, weil sie mich hinderte, die wirklich wichtigen Dinge zu tun. Es war wohl so, dass ich aus dem Fenster gesehen hatte und von ihm erwischt wurde, weil ich nicht bei der Sache war.

Die Sache hatte ein Nachspiel. Wenige Jahre später hat sich dieser Lehrer beim Turnen am Reck einen Arm gebrochen. Seitdem wusste ich, was Schadenfreude war.

Gut, dass sich das geändert hat

Es ist gut, dass unsere Kinder vor körperlichen Attacken solcher Art geschützt sind. Nicht gut ist, dass es immer mehr Lehrer im Land gibt, die ihre Jobs nicht mehr gern ausüben und sich auch öffentlich dazu äußern. Ich las, dass jeden Tag Lehrer und Lehrerinnen in Deutschland von »ihren« Schülern körperlich angegriffen werden. Leider sind solche Ereignisse nicht so neu, wie ich zuerst gedacht hatte. Die Zahlen steigen und die Klagen werden verständlicherweise lauter.

Jetzt läufts anders herum

Wenn es nicht so traurig wäre, müsste man angesichts der Umkehrung der Verhältnisse an der Schule bei diesem Sachverhalte lachen. Heute schlagen die Schüler also die Lehrer. Nun, man darf sich aussuchen, was man schlimmer findet. Aber Gewalt ist Gewalt und die sollte in unserer Gesellschaft nicht den Raum einnehmen, den sie leider aufgrund fehlenden Respekts voreinander immer mehr gewinnt.

Schön gefeiert an der Zülpicher Straße

P.S.: Gestern war der 11.11. Die Karnevalssession wurde eröffnet. An der Zülpicher Straße war der Teufel los. Die Fotos und Berichte von den dicht gedrängten Menschenmassen sind atemberaubend. Wie sich die jungen (oft minderjährigen) Leute, die dort die absolute Mehrheit bildeten, heutzutage aufführen, spottet jeder Beschreibung.

Die saufen sich zu und pöbeln herum, als gäbe es kein Morgen mehr. Eine tolle Vorstellung von Karneval haben diese Idioten. Das Schlimme ist, dass sich die Politik nicht auf die absehbaren Exzesse vorbereitet hat und die Warnungen von ortsansässigen Wirten, Geschäftsleuten und Anwohnern fahrlässig in den Wind geschlagen hat. Die Lösung wäre allerdings auch hart gewesen für all die feierlaunigen und coronageschädigten armen Menschen.

Nun weiß ich nicht, ob die vernünftigste Lösung nicht nur darin bestanden hätte, die ganze Feier an dieser Örtlichkeit zu verbieten und irgendwie auszulagern. Es hätte vermutlich weniger Besoffene und Auswüchse gegeben. Aber wer wünscht sich das schon? Schließlich haben Zehntausende gestern ihre Feierlaune ausgelebt und auf die Interessen anderer mal wieder dreimal geschissen. In Köln ist das ja nicht ganz unüblich.

OB ohne Traute und Verantwortung

Die Oberbürgermeisterin hat sich übrigens heute vor einem Interview mit dem WDR gedrückt. Sie müsse sich erst einmal einen Überblick verschaffen. Hätte sie ihre Verantwortung wahrgenommen, wäre ihr dies jetzt erspart geblieben!

Liveblog von t-online. Während ein Teil der Presse kritisch berichtet, sehen manche Journalisten die ganze Sache auch gewohnt locker. Mal sehen, wie schnell die kritischen Stimmen unter den Journalisten eingehegt werden. Für manche scheint dieser Mist ja in ganz akzeptablen Rahmen stattgefunden zu haben, andere flippen aus. Das ist nicht nur was für den Boulevard.

Ich heiße Horst Schulte und bin 68 Jahre alt. Ich lebe seit meiner Geburt in der schönen Stadt Bedburg, nicht weit von Köln entfernt. Bloggen und digitales Fotografieren sind meine Hobbys. Die Themenschwerpunkte hier im Blog bilden Gesellschaft, Politik und Medien.

Mein Motto: ... bloß nicht zynisch werden



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2 Gedanken zu „Heute schlagen die Schüler die Lehrer, nicht andersherum“

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