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E-Roller-Aus in Paris

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89 % der Pariserinnen und Pariser haben sich gegen E-Roller ausgesprochen. Die in verkehrstechnischer Hinsicht äußerst agile Bürgermeisterin der Seine-Metropole hatte diese Abstimmung initiiert. Das …

89 % der Pariserinnen und Pariser haben sich gegen E-Roller ausgesprochen. Die in verkehrstechnischer Hinsicht äußerst agile Bürgermeisterin der Seine-Metropole hatte diese Abstimmung initiiert.

Das Verfahren rund um die Abstimmung wirft allerdings Fragen auf. Angeblich waren die Informationen rund ums Thema nicht hinreichend. Schlussendlich gaben nur 7,5 % der Wahlberechtigten ihre Stimme ab. 90 % der Leute haben nicht abgestimmt. Natürlich kann man sagen: selber schuld. Das Ergebnis gilt. Offenbar ist das auch hier der Fall. Ab September werden in Paris E-Roller verboten.

E-Roller, Paris
Foto von Tara Winstead von Pexels

Private E-Roller dürfen weiter die Straßen unsicher machen

Angeblich hat sich in der Stadt das Mobilitätsangebot seit der Einführung dieser gefährlichen Vehikel erstmals seit Jahrzehnten verbessert. Die Gegner der E-Roller werden schon jetzt in die Schublade der zukunftsfeindlichen Idioten eingeordnet.

Anne Hidalgo, Bürgermeisterin von Paris, lobte jedenfalls die Abstimmung und sprach sogar von einem „Sieg der lokalen Demokratie„. Es ist angesichts der tatsächlichen Abstimmungsverhältnisse schon eine Frechheit, so etwas zu sagen.

Was bei uns los wäre?

Ich frage mich, wie sich unsere demografische Lage bei einer solchen Abstimmung in unserem Land wohl ausgewirkt hätte. Sind wir in Deutschland angesichts der Dominanz der Älteren und Alten überhaupt noch zukunftstauglich? Wie werden sich bei künftigen Wahlen die Mehrheiten darstellen, und sind wir unter solchen Voraussetzungen noch in der Lage, die für unser Land richtigen und ohnehin immer viel zu langsamen Schritte einzuleiten bzw. zügig und möglichst im Kostenrahmen umzusetzen? Die Erfahrungen sind schlecht.

Uns stehen harte Zeiten bevor. Ich möchte wetten, dass in Deutschland allein schon aufgrund der Übermacht die Alten bei künftigen Wahlen die Themen der Politik bestimmen werden.

Ob Habecks Heizungsgesetz, das vielleicht schlecht gemacht und sicher ganz mies kommuniziert wurde, im kommenden Jahr kommt bzw. bleiben wird, hängt vermutlich mehr von denen (also uns) ab, die älter als 60 Jahre sind. Dabei muss in diesem Sektor dringend etwas geschehen. Das wissen wir natürlich auch längst.

Die Stimmung im Land ist aber im Moment so wie sie ist und die Grünen werden deshalb bald auch keinen Blumentopf mehr gewinnen.

Nicht mehr tun, was nötig ist

Insofern ist es mMn albern, dass manche Journalisten vom bevorstehenden Kampf um die Kanzlerschaft zwischen Habeck und Scholz labern. Irgendeiner von den Grünen gegen Merz halte ich für die wahrscheinlichere Variante. Oder – was wohl die schlimmste aller Möglichkeiten wäre, die Große Koalition kommt zurück. Egal wie: Dieses Land ist im A….

Quellenangabe: Beitragsfoto von (sofern nicht von mir oder nicht Public Domain): Foto von Gustavo Fring von Pexels

Ich heiße Horst Schulte und bin 69 Jahre alt. Ich lebe seit meiner Geburt in der schönen Stadt Bedburg, nicht weit von Köln entfernt. Bloggen und digitales Fotografieren sind meine Hobbys. Die Themenschwerpunkte hier im Blog bilden Gesellschaft, Politik und Medien.

16 Gedanken zu „E-Roller-Aus in Paris“

  1. Heute morgen habe ich Paris geliebt, bzw. die Pariser. Auch wenn nur 7,5 % abgestimmt haben – wie du sagst, ist das im Grunde egal, denn so funktioniert Demokratie:

    Die, die wählen, bestimmen am Ende. Das ist allemal um Welten besser als Diktatur, wo eine verschwindend kleine Despotenclique nach privatem Gusto entscheidet, ohne Rechenschaft ablegen zu müssen.

    IMO sind diese Miet-Tretroller keine Mobilität der Zukunft, sondern ein Mobilitäts-Gimmick, der schnelle Millionen-Geschäftsmodelle für eine ganz winzige Geschäftsführer-Riege ermöglicht. Sehr beliebt allerdings, denn es sind Unternehmensmodelle, die praktisch ohne eigenes Personal und nahezu verantwortungsfrei auskommen, Sub-Beschäftige in prekären Arbeitsverhältnissen erledigen die handwerkliche Arbeit, und bei Problemen duckt man sich einfach weg und schiebt die Verantwortung auf die, die man ausbeutet.

    Für mich sind das genau solche Drecks-Unternehmensstrukturen wie bei den neuen Fahrdienstleistern und Kurzfrist-Vermietern. Mit minimalstem Aufwand maximale monetäre Ausbeute, Preise und Löhne so extrem drücken, wie es nur geht, Verantwortung auslagern und sich möglichst schnell „börsen-schön“ zu machen, dass man den Schrott schnell in fett klingende Münze umsetzen kann.

    Ex-und-Hopp-Kapitalismus miesester Sorte.

    Und auf den Straßen liegt und steht der Roller-Schrott herum, um den sich nur alle Jubeltage mal jemand kümmert (nämlich dann, wenn die Dinger nicht mehr grün leuchten, sondern rot wegen leerer Akkus)

    Hier in Frankfurts Innenstadt hat man ein paar Abstellsstationen eingerichtet, die weitgehend ignoriert werden, die Dinger stehen oder liegen nach wie vor überall im Weg herum – und viele Nutzer fahren damit rücksichtslos überall, wo es ihnen gerade passt. Oft zu zweit drauf stehend, und der neueste Trend scheint zu sein, zu dritt auf den Dingern zu fahren und sich dabei mit den Smartphones zu filmen.

    Ich nenne die Dinger inzwischen nur noch Assi-Schubser…

    Aber laut Stadt hat man kaum eine Handhabe gegen den Wildwuchs, was für mich der Offenbarungseid ist: Man hat primitivste Geschäftsmodelle zugelassen, ohne sich kommunale Eingriffsmöglichkeiten vorzubehalten. Das ist für mich fast schon korrupt…

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    • Ein völlig gescheitertes Verkehrskonzept, was oft auch noch quer subventioniert wird. Komisch, dass man nicht schon bei den Segways darauf kam.

      Es hängt halt mit der Verantwortung zusammen. Gehört mir nicht, also kann ich es behandeln, wie ich will.

      Aber: Das ist exakt der Grund, warum es in Deutschland kaum Volksentscheide gibt. Hoher Aufwand und nur selten ein Erfolg.

      Da kaum einer hingegangen ist, ist das Thema den meisten Leuten auch am Alllerwertesten vorbei gegangen.

      Das ist insofern schade, da einem das Verkehrskonzept auch als extrem umweltfreundlich verkauft wurde, was es halt nicht ist.

      Wie der Simon sagen würde: „Genießen Sie den Klimawandel.“

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        • in der Elbe landeten kaum weniger. Was allerdings aus denen wurde, die immer noch vermisst werden, wird nie jemand erfahren.Nachher gibt es noch eine Weserrevolution.

          Au, Backe!

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          • Flußverschmutzung auf breiter Linie. Das muss den Befürwortern der „neuen“ Mobilität eigentlich zu denken geben. Aber Hauptsache kein Verbrenner. Schließlich gehen die Dinger mit Strom. Aber weiß der Nutzer, wo er herkommt? Es ist wie bei allen anderen Sachen auch. Der Glaube machts.

  2. Das nenne ich mal eine klare Haltung. :=)

    Würde ich in einer grossen Stadt leben müssen, wäre meine Meinung vermutlich genauso. Hier auf dem Land breitet sich die Unsitte allerdings langsam aus. Es wird s auch hier auf Geh- und Radwegen langsam gefährlich. Dieser Aspekt kommt nämlich noch dazu.

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    • Hier in dem kleinen Dorf, in dem ich lebe, gibt’s das Problem gar nicht. Hier gibts keinen dieser Dinger. Dass nur 7,5% der Pariser zur Wahl gingen zeigt mir, dass das Interesse an E-Scooter in Paris nicht all zu groß ist.

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      • Mitunter gibt es schon mal einen Anschlag auf einem der schönen Spazierwege hier in meinem natürlichen Habitat. 🙂 Allerdings kann die Gefahr auch von Radfahrern ausgehen, die sich einen feuchten Dreck um Fußgänger kümmern. Hoffentlich werden wir nie so rücksichtslos.

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    • Bisher gibts noch gar keine? Das ist ungewöhnlich. Viele fahren hier allerdings auch nicht. Das allerdings doch schon eine gewisse Zeit. Also ein paar Jahre sind das. Ich empfinde die Dinger als Gefahrenquelle. Man hört sie nicht und die Leute, die sie fahren, benehmen sich oft ziemlich… na ja.

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  3. Auf dem Land macht das ja auch keinen Sinn. Die 50 m bis zum Dorfkrug kriegt man so hin und die 25 km bis zur Kreisstadt sind zu unbequem und zu viel. Außerdem kriegt man die Einkäufe nicht verstaut und für den Wald eignet sich selbst das abgehalfterte Mountainbike noch eher.

    Nicht mal Familie Meyer kannst Du beeindrucken, wenn Du Dein Kinderspielzeug neben ihrem SUV parkst.

    Wer lädt die Roller auf dem Lande eigentlich ein? Muss das der Dorfbürgermeister machen?
    Aus der Stadt wird wohl kaum einer mit dem LKW wegen einem Roller vorbei kommen. Das rechnet sich nicht.

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  4. @Juri, macht es auch nicht. Wenn ich welche sehe, sind es nur junge Leute. Übrigens durchaus viele Migranten. Ich nehme an, die Dinger stellen ihnen eine gewisse Mobilität zur Verfügung und kosten nicht so viel wie die Alternativen.

    Beeindrucken kann man mit diesen Dingern wohl keinen. Aber da mag ich mich irren. Bestimmt gibt es auch bei diesen Rollen Luxusmodelle 🙂

    Hier wird es keine Verleiher geben, weil sich das einfach nicht lohnen würde. In größeren Städten wird es ein reines Rechenexemple sein. Selbst einen zu kaufen wäre die Alternative. Die, die ich hier sehe, werden sicher eigene sein.

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    • Wenn es Eigentum ist, liegt es nicht in der Gegend herum. Just that simple.

      Luxusmodelle gibt’s, nur dürfen die nicht fahren. Das wäre allerdings ein Ding auf dem Land. Die Dinger können durchaus auch 160. Da kommt der DorfPOK nicht mit, wenn man so in die Sackgasse einbiegt und evtl. noch passend den Bus in die Kreisstadt erwischt.

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  5. Ich bin auch sehr für neue Verkehrskonzepte. Die sollten aber nicht unsinniger sein, als die Bestehenden. Wenn sich einer so einen Roller selber kauft, wird der wohl kaum im Fluss landen.

    Es gibt ja das Ähnliches mit Fahrrädern in den großen Städten. Meist eine Coop zwischen den lokalen Verkehrsbetrieben und einer großen Verleihbude. Warum das weniger angenommen wird?
    Wahrscheinlich, weil Du das Fahrrad eben nicht überall liegen lassen kannst.

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